AT: Neue Normalität™

Wir erleben eine rasende Entschleunigung, ein zerrissenes Zusammenhalten, kurz: die intelligente Massenverblödung zulasten einer permanenten Ausdünnung des allgemeinen Nervenkostüms in unserem vielgeprüften Österreich.

Ein Beispiel gefällig?

Die Schulen dürfen wieder öffnen. Die Schüleranzahl in den Klassen darf 18 Kinder nicht übersteigen, sofern ein Abstand von mindestens einem Meter zwischen den Tischen und die Einhaltung der Hygieneregeln gewährleistet ist. Vergessen scheint die Litanei des Zusammenhalts, des Gemeinschaftssinns.

Übersteigt die Anzahl der Schüler die magische 18, muss die Schulklasse aufgeteilt werden und der Unterricht wird im Schichtbetrieb geführt: während Gruppe 1 drei Tage betreut wird, bleibt Gruppe 2 zu Hause; dann folgen zweimal Tage Betreuung für Gruppe 2, während Gruppe 1 frei hat. In der Woche darauf wird das Ganze umgedreht. Die Schüler, die, um einen uns sehr geschätzten Blogschreiber sinngemäß zu zitieren, dieses System nach zwei Wochen durchblicken, haben den Aufstieg in die nächste Klasse bereits sicher in der Tasche.

Warum wir von „Betreuung“ und nicht von „Unterricht“ sprechen, ist leicht erklärt:
Bis zum Ende des Schuljahres wird es keine Schularbeiten mehr geben und Tests auch nur in Ausnahmefällen. Schule bedeutet nicht mehr lernen, zumal auch nicht geprüft wird. Was zählt, ist Anwesenheit – und nicht mal die ist wirklich vonnöten, da Kinder, deren Eltern sich noch immer vor Ansteckung fürchten, zu Hause bleiben dürfen.

Der Schulweg – wie auch alle anderen Wege außerhalb des Klassenzimmers – hat mit Mundschutz zu erfolgen, obwohl das entsprechende Gesetz, die
197. Verordnung des Bundesministers für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Lockerungen der Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 ergriffen wurden (COVID-19-Lockerungsverordnung – COVID-19-LV) vom 30. April 2020, genau das Gegenteil besagt. Aufrechten Demokraten unter der Ägide des schönsten Kanzlers aller Zeiten stößt so etwas schon längst nicht mehr sauer auf – sie haben sich mittlerweile an solche juristische Kinkerlitzchen gewöhnt.

Geturnt wird nicht mehr; der Turnunterricht entfällt – es sei denn, die Schule hat einen Schwerpunkt in sportlicher Ausbildung. Schule bedeutet für den Großteil der Schüler Stillstand statt Bewegung.

Musikunterricht ist zwar erlaubt, aber Singen nicht. Kein fröhlicher Gesang aus Kindermündern. Gerade dann nicht, wenn das Fach Musik auf dem Stundenplan steht. Das ist Schule heute.

Dasselbe gilt auch für den Religionsunterricht. Kein Singen, kein Tanzen. Kein erhebendes „Näher mein Gott zu dir“ in der Schule. Besser den Kindern etwas von Ethik erzählen, dann gibt’s auch keine religiös motivierte Zuckungen.

Auch, wenn Schüler in einem Fach negativ bewertet werden, ist der Aufstieg in die nächste Klasse sicher. Versagen hat in der Schule keine Konsequenzen mehr.

Betreuung und Gängelung durch übervorsichtige und überängstliche Lehrkräfte, denen es völlig egal sein wird, ob sie mit Schauergeschichten, social distancing, Händedesinfektion und Maskenzwang, die ihnen überlassenen Kinder traumatisieren; leiden doch gerade in ihrer Berufsgruppe besonders viele Kolleginnen an Corona-induzierter PTSD.
Blinde leiten sehen Lernende…

Ein anderer Schauplatz an Unsäglichkeiten sind die österreichischen Alters- und Pflegeheime.
Während des Lockdowns waren beide – Angehörige und Insassen – die ärmsten Schweine.
Jetzt nach der Öffnung – sind sie es immer noch.

Für wieviele Alte war der wöchentliche oder vierzehntägige Besuch der Kinder oder Enkelkinder der einzige Lichtblick im tristen Alltag des Wartens auf das Ende? Nicht nur, dass die Alten nicht einmal mehr vors Heim gehen durften, um dort ein wenig in der Sonne zu sitzen und sich mit Plaudern und Brettspielen die Zeit zu vertreiben – sie mussten in ihren kleinen Zimmern bleiben und es ertragen, wie ihnen langsam die Decke auf den Kopf fiel, die Welt immer kleiner wurde und sie die Einsamkeit in schwarze Verzweiflung stürzte und für Viele der nahende Tod wie eine Verheißung erschien.

Alle – Insassen und Angehörige gleichermaßen – fieberten dem Tag entgegen, an dem die allgemeine Quarantäne der Alten- und Pflegeheime beendet sein würde, nur, um von „Schutzmaßnahmen“ am Tag der Öffnung vor den Kopf gestoßen zu werden:

Keine Möglichkeit, einander zu umarmen, seinen Eltern oder Großeltern nahe zu sein. Stattdessen Schutzmaskenpflicht und vielerorts Plexiglas-Wände. Die Altersheime wurden vollends zum Knast.
Wen wundert es, dass nun, nach der Öffnung, Angehörige durchdrehen, das Personal beschimpfen und – wie unlängst in Salzburg geschehen – Möbelstücke gegen die Wand schleudern?

Starb ein Familienmitglied, so konnte kaum eine ordentliche Beerdigung durchgeführt, kein würdiger Abschied genommen werden. Nur eine Handvoll Trauernder, oftmals ohne geistlichen Beistand, durfte beim Begräbnis, ach, was sage ich, beim Verscharren zugegen sein. Ein Abschied ohne Abschied.

Hochzeiten waren ähnlich farblos – es nimmt eigentlich schon Wunder, dass beide angehenden Eheleute überhaupt zugegen sein durften. Die Kriegstrauungen des letzten Krieges dürften ähnlich fröhlich verlaufen sein.

Das waren nur einige Beispiele; die Liste ließe sich noch ein langes Stück fortsetzen.

Ein ganzes Land wird am normalen Alltagsleben gehindert, wird von völlig absurden Verordnungen immer noch in Geiselhaft gehalten, obwohl mittlerweile nur mehr 0,03 Prozent der Bevölkerung Träger der Krankheit sind. Träger, nicht Erkrankte!
Wenn man jetzt noch die Tatsache in Betracht zieht, dass dieses „Killervirus“ nur für alte Menschen mit schweren Vorerkrankungen gefährlich werden kann, wird die Situation tatsächlich bizarr, um die Wortwahl des irren Gesundheitsministers zu bemühen.

Wäre diese Neue Normalität™ des Bundeskanzlers nicht eine solche Tragödie für uns Österreicher, müsste man glatt darüber lachen.

O Sancta Corona! Bitte schenke uns genügend nasse Fetzen, um diesem Pack in Wien endlich die gebührende Behandlung zukommen zu lassen!

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