Jean Raspail – Er ruhe in Frieden!

Jean Raspail starb am 13. Juni im Alter von 94 Jahren.

Sein wohl bekanntestes Werk erschien 1973 unter dem Titel “Das Heerlager der Heiligen” und zählt wegen seiner prophetischen Schilderung kommender Massenmigration für viele Europäer zur Pflichtlektüre.

Die Tagesstimme schreibt in einem Nachruf zu diesem Buch:

(Im Buch „Das Heerlager der Heiligen“, Anm.) beschreibt der Schriftsteller, wie sich eine Flotte aus einer Million armer Inder auf den Weg nach Europa macht. Die Europäer verkennen die Lage und zeigen sich in der Folge unfähig, diesen Ansturm aus der Dritten Welt aufzuhalten und das Eigene zu verteidigen. Das Buch wurde zuletzt 2015 – kurz vor Beginn der großen europäischen Asylkrise – im Verlag Antaiosneu übersetzt. Wegen des bald darauf einsetzenden Asylansturms auf Europa und der folgenden „Willkommenskultur” galt das Werk als das „Buch der Stunde” – die Parallelen zwischen dem bereits vor Jahrzehnten verfassten Roman und der aufkommenden Wirklichkeit verblüfften nicht wenige. Im anfänglichen „Refugees welcome”-Taumel gefiel das natürlich nicht allen: Der Tagesspiegel sprach damals sogar eine Lesewarnung (!) aus.

Hier – als Auszug aus dem Buch zum Nachlesen – Kapitel zwei. Gleich zu Beginn erhält der distinguierte, alte Professor Calguès Besuch von einem jungen Mann, den man heute sofort der Antifa zurechnen würde:


Kapitel 2

Über die kleine Treppe zum Gäßchen war ein etwas verwahrloster junger Mann geräuschlos auf die Terrasse gelangt. Er hatte lange Haare, blond und schmutzig, trug Jeans und abgenutzte Turnschuhe. Sein Blick verriet eine schlapp- gewordene Seele. Damit war er ein ziemlich typisches Exemplar jener randständigen Parasiten, die Europa heute zu Hunderttausenden absondert und die in seiner Brust zum Krebsgeschwür einer Art dritter Welt von innen herangewachsen sind.

»Ich komme von unten.«, sagte der junge Mann. »Spitze! Endlich! Ich habe schon lange darauf gewartet.«

»Sind Sie allein?«

»Momentan ja. Aber meine Kumpels sind schon an der Küste. Andere kommen bald nach. Zu Fuß. Sie werden verrecken, aber das wollen sie sich nicht entgehen lassen. Alle Schweine dagegen fliehen jetzt nach Norden! Kein einziges
Auto in der Gegenrichtung!«

»Waren sie unten, in der Nähe der Küste?«

»Ganz nahe. Aber nicht lange. Habe Kolbenschläge bekommen. Ein Offizier hat mich wie Abschaum behandelt. Aber ich habe auch Soldaten gesehen, die heulten. Das ist gut so. Morgen wird man das Land nicht mehr wiedererkennen. Es wird wie neugeboren sein.«

»Haben Sie die gesehen, die mit den Schiffen gekommen sind?«

»|a.«

»Und Sie glauben. daß das Menschen wie Sie sind? Sie haben doch eine weiße Haut. Sie sind sicher getauft. Sie sprechen Französisch mit dem hiesigen Dialekt. Wohnen vielleicht gar lhre Eltern in dieser Gegend?«

»Na und? Meine Familie sind die Ankömmlinge. lch gehöre zu der Million Brüder, Schwestern, Väter, Mütter und Verlobten. Mit der ersten. die sich anbietet, werde ich ein Kind machen. ein dunkelhäutiges Kindi Dann bin ich ihresgleichen.«

”Sie werden trotzdem aufhören zu existieren Die Masse wird Sie verschlingen. Sie werden nicht mal beachtet werden.«

»Mehr will ich nicht. Heute morgen sind meine Eltern abgereist. mit meinen beiden Schwestern, die plötzlich Angst bekamen, vergewaltigt zu werden. Einen panischen Bammel hatten die! Aber sie werden sie erwischen. Alle werden sie erwischen. Sie können abhauen. soviel sie wollen, diese Leute sind am Ende. Wenn Sie das Bild gesehen hätten. Meinen Vater, wie er die Schuhe aus seinem Laden in seinem hübschen kleinen Lieferwagen verstaut hat, und meine Mutter. die heulend die teureren Schuhe aussortierte! Die billigeren wurden Iiegengelassen. Meine Schwestern saßen schon ungeduldig auf der vorderen Sitzbank. Sie drückten sich eng aneinander. Sie sahen mich entsetzt an, als wollte ich sie als erster vergewaltigen. lch habe mich krumm und schief gelacht. besonders, als mein Vater den eisernen Rolladen heruntergelassen und den Schlüssel eingesteckt hat. Ich sagte zu ihm: „Glaubst du wirklich. daß dir das was nützt? ich mache deine Tür auch ohne Schlüssel auf und zwar gleich morgen. Und deine Latschen? Sie werden darauf pissen! Oder sie auffressen. denn sie gehen ja barfuß.“ Er sah mich an und spuckte mir vor die Füße. Ich spuckte einen dicken Batzen zurück und traf ihn mitten ins Auge. So sind wir auseinandergegangen.«

»Und Sie? Was wollen Sie hier? In diesem Dorf? Bei mir?«

»Ich plündere. Außer der Armee und meinen Kumpels ist im Umkreis von hundert Kilometern niemand mehr da. So plündere ich eben. Hunger habe ich keinen mehr. Ich habe schon zuviel gegessen. Ich brauche ohnehin nicht viel, und außerdem gehört jetzt alles mir. Morgen werde ich es ihnen geben. ich bin sozusagen ein König und werde ihnen mein Königreich schenken. Heute ist doch immerhin Ostern!«

»Ich verstehe nicht.«

»An Bord dieser Schiffe befindet sich eine Million Christusse, die morgen auferstehen werden. Und Sie, ganz allein… Sie sind auch am Ende.«

»Sind Sie gläubig?«

»Überhaupt nicht.«

„Und diese Million Christusse, ist das Ihre ldee?«

„Nö. Aber ich fand sie ziemlich cool. zumindest für Pfaffengeschwätz. Ich habe sie auch von einem Pfaffen gehört. Vor einer Stunde ist mir einer entgegengekommen. Er führte sich auf wie ein Verrückter. Nicht wie ein Schwachkopf. aber ziemlich bizarr. Ab und zu blieb er stehen, hob seine Arme. wie die andern da unten und schrie: „Danke, mein Gott!“ Dann lief er weiter Richtung Strand. Sieht so aus. als ob noch andere nachkämen.«

«Was für andere?«

«Andere Pfaffen von der gleichen Sorte. Aber Sie langweilen mich. Ich bin nicht zum Quatschen gekommen. Sie sind doch nur noch ein Gespenst. Was machen Sie noch hier?«

«Ich höre Ihnen zu.«

«Interessiert Sie mein Gelaber?«

«Immens…«

»Sie sind nicht mehr zu retten. Sie denken noch nach. Es gibt nichts mehr nachzudenken. Auch das ist vorbei. Hauen Sie ab!«

»Oh nein!«

»Hören Sie mal! Sie und Ihr Haus, Sie beide passen prima zusammen. Man könnte sagen, ihr hockt hier schon seit mindestens tausend Jahren.«

»Seit 1673 genau«, sagte der alte Herr und lächelte zum ersten Mal.

»Dreihundert Jahre gesichertes Erbe. Widerlich. Ich schaue Sie an und finde nichts Schiefes an Ihnen. Und darum hasse ich Sie. Darum werde ich morgen die schlimmsten Elendsgestalten gerade zu Ihnen führen. Denen ist es völlig egal, wer Sie sind und was Sie darstellen. Sie geben einen Dreck auf Ihre Welt. Sie werden gar nicht erst versuchen, sie zu begreifen. Sie werden müde sein, Hunger haben und mit Ihrer schönen Eichentür ein Feuerchen machen. Sie werden auf Ihre Terrasse kacken und sich mit den Büchern Ihrer Bibliothek die Hände abwischen. Ihren Wein werden sie ausspucken. Mit den Fingern werden sie aus Ihren hübschen Zinntellem essen, die dort an der Wand hängen. Sie werden auf den Fersen hocken und zusehen, wie Ihre Sessel brennen. Aus der Goldstickerei Ihrer Decken werden sie sich Schmuck machen. Jeder Gegenstand wird den Sinn verlieren, den er für Sie hat. Das Schöne wird nicht mehr schön sein, das Nützliche wird lächerlich und das Unnütze absurd werden. Nichts wird mehr einen echten Wert haben. Allenfalls werden sie sich um irgendein vergessenes Kordelstück balgen, während sie alles andere kurz und klein schlagen. Es wird herrlich sein! Machen Sie sich doch endlich aus dem Staub!«

»Noch eine Frage: Jene werden blindlings zerstören, weil sie es nicht besser wissen. Aber Sie?«

»Ich? Weil ich dies alles hasse. Weil das Weltgewissen verlangt, daß man dies alles haßt. Hauen Sie ab! Sie kotzen mich an!«

»Wie Sie wünschen.« Der alte Herr ging ins Haus, kam aber gleich wieder zurück, mit einem Jagdgewehr in der Hand.

»Was soll das?« fragte der junge Mann.

»lch werde Sie töten, was sonst? Meine Welt wird den morgigen Tag möglicherweise nicht überleben, daher habe ich die Absicht, die letzten Augenblicke noch voll auszukosten. lch werde in dieser Nacht ein zweites Leben führen, ohne mich vom Fleck zu rühren, und ich glaube, daß es noch schöner als das erste sein wird. Da meinesgleichen abgereist ist, will ich es allein genießen.«

»Und ich?«

»Sie sind nicht meinesgleichen. Sie sind mein Feind. Ich habe keine Lust, diese kostbare Nacht in Gesellschaft eines Feindes zu vergeuden. Daher werde ich Sie töten‚«

»Das bringen Sie nicht fertig. Sie haben doch noch nie jemand getötet.«

»Das stimmt. Ich habe stets das friedliche Leben eines Literaturprofessors geführt, der seinen Beruf liebt. lm Krieg brauchte man mich nicht, und die offensichtlich unnütze Töterei bedrückt mich auch physisch. lch wäre wahrscheinlich ein schlechter Soldat gewesen. Dennoch glaube ich, daß ich mit Actius zusammen fröhlich einen Hunnen getötet hätte. Und mit Karl Martell arabisches Fleisch zu durchlöchern hätte mich außerordentlich begeistert, ebenso mit Gottfried von Bouillon oder Balduin dem Aussätzigen. An den Mauern von Byzanz wäre ich gerne an der Seite von Konstantin Dragasès gefallen, bei Gott! Wieviele Türken hätte ich noch umgebracht, bevor ich selbst dran gewesen wäre! Glücklicherweise sterben Menschen, die keinen Zweifel kennen, nicht so leicht. Wäre ich dann wiederauferstanden, hätte ich gemeinsam mit den deutschen Ordensrittern die Slawen erschlagen, mit einem Kreuz auf meinem weißen Mantel. Von der Insel Rhodos schied ich mit einem blutigen Schwert in der Hand als Getreuer der vorbildlichen kleinen Truppe des Villiers de l’lsle-Adam. Und als Matrose Don Juans von Österreich habe ich mich in Lepanto gerächt. Das war ein schönes Gemetzel! Danach hatte man keine Verwendung mehr für mich. Nur ein paar Lappalien der zeitgenössischen Geschichte, dieser traurigen Posse, die immer mehr im Ansehen sinken, und an die ich mich auch nicht mehr gut erinnere. Alles ist so häßlich geworden. Es gibt keine Fanfaren, keine Standarten und kein Te Deum mehr. Vergeben Sie einem alten Mann seine akademische Weitschweifigkeit. Natürlich habe ich niemanden getötet. Aber alle diese Schlachten, mit denen ich mich aus tiefster Seele solidarisch fühle, erlebe ich jetzt mit einem Schlag wieder. Und mit einem einzigen Schuß bin ich ihre Hauptperson. Da ist er!«

Der junge Mann brach graziös zusammen, glitt das Geländer hinab. an das er sich angelehnt hatte, und sackte schließlich mit hängenden Armen in jene hockende Stellung, die er einzunehmen gewohnt war. Der rote Fleck auf seiner linken Brust wurde etwas größer, hörte dann aber rasch auf zu bluten. Er starb ganz ordentlich. Keinerlei Überraschung war in seinen Augen zu sehen. Die Daumen des Professors schlossen sie mit einer sanften Geste. Keine Fanfaren, keine Standarten. Ein Sieg nach Art des Abendlandes, so endgültig wie nutzlos und lächerlich. lm Frieden mit sich selbst, in einem Frieden, so süß und vollkommen wie nie zuvor in seinem Leben, wandte der alte Herr Calguès dem Toten den Rücken zu und kehrte in das Haus zurück.

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